Aber es kommt.

Das Licht der Welt kommt in die Dunkelheit. Uns entgegen. Wieder einmal.
PH_Foto Laterne (Foto: pixabay.com)

Im November wird es früh dunkel. Manchmal scheint der Nachmittag direkt in die Nacht überzugehen. Der Nebel verwischt die Konturen, und auf dem Heimweg leuchten bereits die Fenster lichterloh, versuchen der Dunkelheit Paroli zu bieten, Wärme zu spenden, die Kälte zu vertreiben.

Es gibt allerdings eine Dunkelheit, eine gewisse Kälte, gegen die keine Lampe, kein Ofen hilft. Sie sitzt mit am Tisch, an dem ein vertrauter Mensch auch mal einst sass, dessen Augen, dessen Hände wir nun vermissen. Sie begleitet uns, schleicht sich ein in die Wohnung unseres Herzens. Sie hält uns nachts wach, wenn die Sorgen uns den Schlaf rauben. Sie kommt, um zu stehlen – unsere Freude, Dankbarkeit, Leben.

Die biblische Botschaft vom Licht beginnt genau hier, mitten im tiefsten Tal, in der dunkelsten Stunde, in der kältesten Nacht da, wo man es am wenigsten erwartet. Aber es kommt ganz gewiss, es kommt wieder. Wieder einmal. Im Johannesevangelium steht (Johannes 1,5):

«Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.»

Das Licht wartet also nicht, bis die Dunkelheit vorüber ist. Es scheint mitten hinein und löst sie auf.

Das ist die Hoffnung, auf die wir im Advent zugehen. Gott selbst hält sich nicht fern von meinem schwierigen, verletzten Leben. In Jesus kommt er mir entgegen. Seine Nähe gilt all denen, die zweifeln, ermüdet sind oder ihren Schmerz kaum noch in Worte fassen können. In der Stille kommt er mir entgegen. Wieder einmal.

Vielleicht gehört deshalb zum Warten auf das Licht auch die Frage, wem wir selbst nahe sein wollen. Wessen Trauer lässt uns gerade nicht kalt? Mit wem können wir eine Weile mitschweigen, die Stille aushalten, einfach da sein?

Jesus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (Johannes 8,12). An diesem Versprechen hält sich unser Glaube fest. Wenn wir in den kommenden Wochen die erste Adventskerze anzünden, dürfen wir uns an dieses Licht erinnern. Das Licht, das in die Welt kommt, mitten in die Dunkelheit. Oft begegnet es uns gerade am dunkelsten Tag, oft anders, als wir es erwartet haben, oft leise, so leise, dass wir seine Schritte kaum hören, es beinahe übersehen. Aber es kommt. Uns entgegen. Wieder einmal.

Pfarrer Emanuil Dragnev