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Bereitgestellt: 18.11.2025
Wie haben Sie es mit dem Brauchtum im Advent? Pflegen Sie es? Oder sehen Sie es einfach bei anderen gern? Oder ist es Ihnen zuwider?
Kitsch und Kommerz könnten uns schon einiges vermiesen, das ist wahr. Aber es geht auch anders. Strohsterne basteln und aufhängen zum Beispiel. Oder mit dem Kindern Güezi backen, 10 Sorten, und nicht zum Selberessen. Jedenfalls nicht nur... Oder überhaupt Geschenke bewusst wählen und noch besser selber herstellen – natürlich nicht erst am 23. Dezember!
Oder ein Adventskalender. Legen Sie sich auch einen zu? Es macht Spass, die kleinen Türchen mit Neugier zu öffnen und darin etwas Erfreuliches zu erblicken. Vielleicht machen Sie einen selber, um Verschenken, zum Beispiel eine Schnur mit 24 Säcklein oder Schächtelchen dran. Das kommt bei den Beschenkten sicher gut an, denn auch in den angehängten Päckli werden Sie Erfreuliches verbergen: eine Nuss, ein Fünfliber, ein Zettel mit einem Wunsch für den Tag, ein Teelicht, ein Praliné…
In der Zeit der immer länger werdenden Nächte tun wir ein Türchen nach dem anderen auf und zünden eine Kerze nach der anderen an: die vier am Kranz, zuletzt die vielen am Baum. Licht tut gut, wenn es lange dunkel ist. Und wir finden Licht in etwas anderer Form eben auch im Adventskalender: 24 kleine Lichtblicke auf dem Weg zum grossen Licht, das wir an Weihnachten feiern und ins neue Jahr mitnehmen.
Auch die Welt könnte einen Adventskalender vertragen. Ein Türchen für jedes Land, darin lichtvolle Wünsche: Frieden für die Ukraine, Obdach für die Zivilbevölkerung in Gaza, Vernunft für die Streithähne in Sudan, Ölzweige für Jemen, einen hellen Stern für das Heilige Land. Auch der Schweiz möchte man ein Türchen widmen – und welcher Lichtwunsch wäre drin? Ein Herz? Eine Waage? Ein Schlüssel?
Adventsbräuche – alles nur Schein statt Sein? Vielleicht. Es muss ja auch nicht immer alles verzweckt sein. Brauchtum darf und soll auch Spass machen. Andererseits ist das Hoffen auf Erfreuliches und das Suchen nach Licht auch eine kleine Übung im Finden von Glück: Ich konzentriere mich auf das Hoffnungsvolle und Helle und blende das Dunkle bewusst einmal aus – es holt mich ja früh genug wieder ein. So trage ich – wie einst Maria – die freudige Erwartung in mir: das Fröhliche, das Selige, das Gnaden Bringende, bis es in Erfüllung geht. Vielleicht nicht absolut, nicht mit Glanz und Gloria, aber mit kleinen Lichtern. Gott macht es selber vor, mit dem Kind in der Krippe. Es ist uns noch heute Hoffnungsgeber, mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht.
Jürg Kägi, Pfarrer KIRCHE32
